Britische Arbeitsgruppe untersucht den Einfluss von Multivitaminpräparaten auf den Erfolg einer Kinderwunschbehandlung
Jede Frau, die sich mit Kinderwunsch bei ihrem Frauenarzt vorstellt, bekommt auf die Frage danach, wie sie den Kinderwunsch durch ihre Lebensführung unterstützen kann und gleichzeitig ihrem Baby eine gute Grundlage für seine Entwicklung bieten kann, einige Tipps rund um das Thema gesunde Ernährung. So wird häufig empfohlen, den Konsum von Alkohol und Kaffee zu begrenzen und vermehrt auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten. Zusätzlich wird der Frau in der Regel die Einnahme von hochdosierte Folsäure empfohlen, da dies erwiesenermaßen das Risiko des Kindes, einen Neuralrohrdefekt zu haben, um bis zu 80 %senken kann.
In den letzten Jahren häuften sich in Studien die Hinweise, dass auch die gezielte Supplementierung bestimmter weiterer Mikronährstoffe einen positiven Effekt auf die Fruchtbarkeit der Frau haben könne. Insbesondere die große Nurses‘ Health Study aus den USA konnte hier einen Zusammenhang aufzeigen. Eine englische Arbeitsgruppe um die Ärztin Dr Rina Agrawal untersuchte nun in einer Pilotstudie, an der 58 Frauen, die eine Kinderwunschbehandlung hatten, teilnahmen, inwiefern die zusätzliche Einnahme eines Multivitaminpräparates, gegenüber der bis dato üblichen Einnahme von Folsäure alleine, den Behandlungserfolg einer Kinderwunschtherapie beeinflussen kann.
Die Ergebnisse der Untersuchung sind nicht nur für Forscher und Ärzte sehr interessant: Die Frauen, die ein zusätzliches Multivitaminpräparat verzehrten, hatten mit durchschnittlich 66,7 % nämlich eine deutlich höhere Schwangerschaftsquote als die Frauen, die nur Folsäure alleine einnahmen (durchschnittlich betrug die Schwangerschaftsrate in dieser Gruppe 39,3 %). Auch der Fortbestand der Schwangerschaft zeigte einen deutlichen Unterschied: Bei 60 % der Frauen, die das Multivitaminpräparat eingenommen hatten, blieb die Schwangerschaft bestehen, bei den Frauen, die nur Folsäure einnahmen, waren es nur noch 25,0 %. In einem Bereich der Medizin, in dem neue Techniken in der Regel die Erfolgsquoten um jeweils wenige Prozentpunkte verbessern, ist diese Beobachtung natürlich eine kleine Sensation. Dies umso mehr, da die Einnahme von Multivitaminpräparaten eine vergleichsweise einfache, nebenwirkungsarme und kostengünstige Möglichkeit darstellt, die Erfolgsaussichten zu optimieren.
Man darf davon ausgehen, dass hier schon bald weitere, größere Untersuchungen folgen werden, deren Ergebnisse sich dann sicherlich in der ärztlichen Beratungspraxis niederschlagen dürften.
Referenzen:
Agrawal, R et al, Prospective randomized trial of multiple micronutrients in subfertile women
undergoing ovulation induction: a pilot study. Reproductive Bio Medicine Online (2011), doi:10.1016/j.rbmo.2011.10.004
Chavarro JE et al, Use of multivitamins, intake of B-vitamins and risk of ovulatory infertility. Fertil Steril 2008; 89(3): 668-676
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Patienten mit Autoimmunthyreoiditis profitieren
von täglicher Selen-Einnahme
Als Berzelius im Jahre 1817 die metallähnliche Substanz Selen entdeckte, hätte er sich vermutlich nie träumen lassen, dass es sich dabei um ein essentielles Spurenelement mit vielen lebenswichtigen Funktionen im menschlichen Körper handelt. Selen galt ursprünglich als toxisch (und ist es in zu hoher Dosierung auch). An Nagetieren zeigte sich dann jedoch, dass geringe Mengen Selen sogar lebenswichtig sind.
Als Bestandteil sogenannter „Selenoproteine“ ist Selen einerseits Teil wichtiger Schutzenzyme, die die Zellen vor dem Angriff hochreaktiver Sauerstoffverbindungen schützen. Andere Selenoproteine wiederum spielen eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone. Die Schilddrüse ist neben dem Gehirn das selenreichste Organ des Körpers.
Den aktuellen Stand der Forschung zur Bedeutung von Selen für die Schilddrüse und seinen Nutzen als Nahrungsergänzungsmittel für die gesunde Schilddrüsenfunktion fasst Dr. Lutz Schomburg vom Institut für Experimentelle Endokrinologie der Charité in Berlin in seinem im Oktober diesen Jahres im renommierten Fachblatt „Nature“ erschienen Übersichtsartikel zusammen:
Während der Selenlevel in der Leber, der Niere und dem Muskel von der Selenaufnahme mit der Nahrung abhängig ist, scheint der Selenstatus in der Schilddrüse weitgehend unabhängig davon zu sein. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die zusätzliche Seleneinnahme von gesunden Personen zu keiner nennenswerten Veränderung des Schilddrüsenhormonstatus führt.
Ganz anders die Situation bei Patienten mit einer Autoimmunthyreoiditis: Hier weisen Forschungsdaten darauf hin, dass ein Selenmangel einen nicht unerheblichen Risikofaktor für das rasche Fortschreiten der Erkrankung darstellt.
Nach Betrachtung klinischer Studien, die sich mit dem potentiellen Nutzen einer Seleneinnahme für diese Patientengruppe beschäftigten, folgert Dr. Schomburg: „... selenium supplementation seems to dampen the self-amplifying nature of the derailed immune system-thyroid interaction“.
Dies zeigt einmal mehr, dass die zusätzliche tägliche Einnahme von Selen für Patienten mit Autoimmunthyreoiditis, die in einem Selenmangelgebiet leben, von Nutzen sein kann und den Krankheitsfortschritt positiv beeinflussen kann.
Infokasten:
Selen - ein essentielles Spurenelement
Im Gegensatz zu US-Amerikanern gilt die europäische Bevölkerung als eher unzureichend mit Selen versorgt. Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Selen gilt als wichtige Krankheitsprophylaxe insbesondere in Hinblick auf die Schilddrüse und das Hormonsystem.
Die Japaner machen es richtig: Sie essen viel Reis und Seefisch und nehmen dadurch doppelt so viel Selen auf wie Europäer. Diese Ernährungsgewohnheiten lassen die Japaner vermutlich länger leben und seltener an Krebs und Herz-Kreislauf-Leiden erkranken als die Deutschen. Auch Getreide ist ein wichtiger Selen-Lieferant. Doch der Selen-Gehalt schwankt je nach Bodenverhältnissen gewaltig: 100 Kilogramm deutscher Weizen enthalten nur zwei Milligramm Selen, amerikanischer Weizen dagegen fünfzigmal mehr. Daher nehmen die Deutschen die empfohlene tägliche Selenmenge (50 bis 100 Mikrogramm) kaum auf. Wer selenreich essen will, sollte daher öfter Seefisch, Geflügel, Meeresfrüchte, rotes Fleisch, Vollkorngetreide, Naturreis, Sesam, Kokosnuss, Sojabohnen und Eier zu sich nehmen.
Quelle:
Schomburg L.
Selenium, selenoproteins and the thyroid gland: interactions in health and disease.
Nature Reviews Endocrinology, advance online publication, Published online 18 October 2011 | doi:10.1038/nrendo.2011.174